In aller Kürze — Folge 1

Vea Kaiser: Rückwärtswalzer oder Die Manen der Familie Prischinger
kaiser

Manche Geschichten sind dafür da, dass man sie allen erzählt. Andere dafür, dass man sie nur mit wenigen Menschen teilt.

Wie von den beiden Vorgängern gewohnt und geliebt, ist auch das dritte Buch von Vea Kaiser wieder eine generationenübergreifende, von liebenswerten Figuren bevölkerte Familiengeschichte. Diesmal erstreckt sich der Erzählbogen von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart und führt vom Waldviertel in den 23. Wiener Gemeindebezirk bis nach Montenegro, wohin der als Schauspieler und in der Liebe gescheiterte Lorenz Prischinger in einem Fiat Panda nebst seiner drei Tanten und dem verstorbenen, tiefgekühlten Onkel Willi, der in seiner alten Heimat bestattet werden soll, unterwegs ist. Ganz ohne kleinere Längen kommt Rückwärtswalzer  zwar nicht aus, aber insgesamt ist der Roman ein herrlicher Schmöker, der mit Situationskomik ebenso nicht geizt wie mit nachdenklicheren Momenten. Grundsätzlich haben mir die Kapitel, die sich mit der Vergangenheit der Protagonistinnen und Protagonisten beschäftigen, durch die Bank besser gefallen als die im Jetzt spielende Roadtrip-Handlung. Die drei Tanten, allen voran die etwas windschiefe Wetti, sind allerdings zu jeder Zeit eine Wucht.


Selja Ahava: Dinge, die vom Himmel fallen (Deutsch von Stefan Moster)

Das Glück einer jungen Familie wird jäh beendet, als die Mutter im Garten von einem von einem Flugzeug herabfallenden Eisklumpen erschlagen wird. Eine Frau knackt binnen kurzer Zeit zweimal den Lotto-Jackpot, fällt nach dem zweiten Gewinn in einen dreiwöchigen Dornröschenschlaf und hat auch danach Probleme, ihr finanziell bestens abgesichertes Leben in sinnvolle Bahnen zu lenken. Ein schottischer Fischer überlebt vier Blitzschläge und wird zum Außenseiter, weil die anderen Dorfbewohner glauben, es laste ein Fluch auf ihm. Wie Ereignisse aus heiterem Himmel (selbst während eines Gewitters ist man sich der möglichen Gefahr eines Blitzschlages ja nicht unbedingt bewusst) Leben komplett umkrempeln können, beschreibt die Finnin Selja Ahava in ihrem unkonventionellen, im wahrsten Sinne des Wortes märchenhaften Roman Dinge, die vom Himmel fallen. Im letzten Drittel verliert das schmale Buch zwar ein wenig seine Grundthematik aus den Augen und driftet für meinen Geschmack etwas zu sehr ins Fantastische ab, aber gerne gelesen habe ich die Geschichte dennoch.

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